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Montreux Jazz Festival 2026: RAYE und Gäste auf der Bühne mitten im Publikum des Auditorium Stravinski

Foto: Montreux Jazz Festival / Emilien Itim

Montreux Jazz Festival · Festivalbilanz

Montreux Jazz Festival: Bilanz der 60. Ausgabe

Das Montreux Jazz Festival beendet seine 60. Ausgabe mit mehr als 250.000 Gästen, 91 Prozent Auslastung und einem renovierten Kongresszentrum am See.

21. Oktober 2026 5 Minuten Lesezeit

Sechzehn Tage, ein renoviertes Haus und ein Jubiläum: Das Montreux Jazz Festival hat seine 60. Ausgabe am 18. Juli mit mehr als 250.000 Gästen und einer durchschnittlichen Auslastung von 91 Prozent in den Sälen mit Eintritt beendet. In seiner Abschlussmitteilung beschreibt das Festival eine Ausgabe, die in zwei Richtungen zugleich blickte: zurück auf sechs Jahrzehnte Geschichte und nach vorn, zu einer neuen Generation von Künstlerinnen und Künstlern.

Zurück im Kongresszentrum

Die 60. Ausgabe war die erste große Veranstaltung im Kongresszentrum von Montreux seit dessen Renovierung, das Festival spricht von einem Test in Originalgröße. Terrassen, Treppen und neue Räume wurden rasch Teil des Rundgangs, die Wege waren entspannter, und die neuen Glasfassaden öffneten aus dem Foyer des Auditorium Stravinski einen Blick auf den See, der nach Darstellung des Festivals viele Gäste staunen ließ. Draußen führte der verlängerte Weg entlang der Quais bis zu den Bühnen Spotlight und Super Bock am östlichen Ende; im Parc Vernex brachte die Paloma eine Terrasse und einen Badebereich, und das Duplex feierte Premiere als neue Bühne für elektronische Musik.

Ein Eröffnungsabend für das Jubiläum

RAYE eröffnete das Festival mit einer Show, die sie gemeinsam mit Audemars Piguet entwickelt hatte. Das Auditorium Stravinski wurde um eine drehbare achteckige Bühne mitten im Publikum umgebaut, darüber hingen Segel mit Projektionen aus dem Festivalarchiv. Mehr als zwei Stunden lang reiste sie durch sechs Jahrzehnte Montreux, mit Verbeugungen vor Konzerten von Nina Simone, Prince, Aretha Franklin, James Brown und Ray Charles, bevor Mark Ronson und Alicia Keys als Überraschungsgäste auftraten. Ihr eigenes Fazit: „Montreux Jazz is one of the last places left in culture that really cares about music.“

Montreux Jazz Festival: Festivalgäste auf einer Wiese über dem Genfersee bei Sonnenuntergang
Abendstimmung über dem Genfersee beim Montreux Jazz Festival. Foto: Fondation du Festival de Jazz de Montreux

Die neue Generation und die erste Legende

Ein großer Teil des Programms gehörte jüngeren Acts. Sienna Spiro würdigte den 50. Jahrestag des berühmten Konzerts von Nina Simone in Montreux und sang zum ersten Mal Autumn Leaves, achtzehn Monate nachdem sie bei den Spotlight Sessions in Villars vor 200 Menschen gespielt hatte; diesmal war das Montreux Jazz Lab voll. Liniker kam mit dreizehn Musikerinnen und Musikern und dem Pianisten Amaro Freitas, Ezra Collective sprangen kurzfristig nach der Absage der Isley Brothers ein, und PinkPantheress, Conan Gray, Tyla und Zara Larsson brachten ein junges Publikum ins Stravinski, das jede Zeile mitsang. Die leiseren Abende gehörten John Legend am Klavier, Nick Cave mit Into My Arms, Aldous Harding und Maro, und GIVĒON gab sein erstes Konzert in der Romandie.

Zum Schluss ging der Blick zurück. Marcus Miller ehrte Miles Davis, und Charles Lloyd kehrte 60 Jahre nach seinem Auftritt bei der allerersten Ausgabe 1967 zurück; Festivalchef Mathieu Jaton überreichte ihm eine Ehrenauszeichnung als erste Legende des Festivals. Van Morrison und James Taylor teilten sich den letzten Abend im Auditorium, Cerrone deutete sein Repertoire im Montreux Jazz Lab sinfonisch neu.

Jam Sessions und Archivstunden

Weil die Säle mit Eintritt und das Lake House nur noch wenige Schritte auseinanderliegen, blühten die späten Jam Sessions auf, unter anderem mit RAYE, Sienna Spiro, Naïka, Nectar Woode, Liniker und Dermot Kennedy. Leon Bridges, erst kurzfristig angekündigt, stellte bei einem Gratiskonzert im Memphis sein neues Album vor, Adriatique spielte im Duplex. Im Lake House holten Gespräche und Vorführungen das Archiv ins Heute: Liniker sprach anhand von Aufnahmen von Gilberto Gil und Ney Matogrosso über Musik und politisches Engagement, Tomoki Sanders sah Aufnahmen seines Vaters Pharoah Sanders, die er fast zwanzig Jahre nicht gesehen hatte, und Marcus Miller kommentierte Archivmaterial von Miles Davis. Die Ausstellung Putting Montreux on the Map zählte täglich mehr als hundert Besucherinnen und Besucher.

Auf Bildschirmen weltweit

51 Konzerte, drei Viertel des Programms mit Eintritt, liefen live und kostenlos im Stream. Bis zum 16. Juli, also vor den letzten drei Abenden, kamen die Aufzeichnungen auf YouTube und in sozialen Netzwerken auf mehr als 9,5 Millionen Aufrufe, angeführt von RAYE, Zara Larsson und Moby. Das Montreux Jazz Lab erreichte 88 Prozent Auslastung, sein bestes Ergebnis seit der Eröffnung 2013, und das Festival erreichte sein Ticketziel, das höchste seiner Geschichte im üblichen Format, schon am zweiten Wochenende. Weitere Sommerfestivals, die eine Reise wert sind, finden Sie in unserem Festivalkalender.