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Salzburger Festspiele 2026: Jedermann in der Regie von Robert Carsen auf der Bühne vor dem Salzburger Dom in der Dämmerung

Foto: Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus

Salzburger Festspiele · Festivalbilanz

Salzburger Festspiele 2026: die Bilanz des Sommers

Die Salzburger Festspiele ziehen Bilanz: 209 Vorstellungen im Sommer 2026, mehr als 261.300 Gäste aus 84 Ländern und eine erwartete Auslastung von über 99 Prozent.

21. Oktober 2026 5 Minuten Lesezeit

Als die 106. Salzburger Festspiele am 30. August zu Ende gingen, lagen 172 Aufführungen in 45 Tagen an 19 Spielstätten hinter ihnen, dazu 37 Vorstellungen im Jugendprogramm jung & jede*r. Zwei Tage vor Schluss veröffentlichte das Haus seinen Abschlussbericht, und die wichtigsten Zahlen sind solche, von denen die meisten Festivals nur träumen: Für alle 209 Vorstellungen zusammen erwartete es eine Auslastung von über 99 Prozent und mehr als 261.300 Gäste aus 84 Ländern.

Wer kam, und woher

Von diesen 84 Ländern liegen 44 außerhalb Europas. Österreich führt die Liste an, gefolgt von Deutschland, den USA, der Schweiz, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Südkorea. Das Publikum vor Ort bleibt wichtig: 28 Prozent aller Karten wurden in Stadt und Land Salzburg gekauft. Der stärkste Tag war der 22. August mit 9.143 Festspielgästen, und die Kartenerlöse des Sommers beliefen sich auf 31,45 Millionen Euro netto. Zum Kartenprogramm kamen mehr als 60.000 Menschen bei den frei zugänglichen Übertragungen der Siemens Festspiel Nächte und bei den Open-Air-Veranstaltungen des Fests zur Festspieleröffnung.

Das Direktorium mit Kristina Hammer, Karin Bergmann und Lukas Crepaz spricht von einem außerordentlichen künstlerischen Programm, das auch kaufmännisch alle Erwartungen übertreffe. „Das Publikum nahm das Programm begeistert an“, heißt es im Bericht, nach nahezu jeder Vorstellung habe es stehende Ovationen gegeben.

Salzburger Festspiele 2026: Asmik Grigorian als Carmen mit dem Ensemble in der Inszenierung von Gabriela Carrizo
Carmen 2026, Regie und Choreografie Gabriela Carrizo (Peeping Tom): Asmik Grigorian als Carmen mit dem Ensemble. Foto: Salzburger Festspiele / Virginia Rota

Neun Opern, drei davon neu

An der Spitze der Oper standen drei Neuinszenierungen: Carmen, Ariadne auf Naxos und Saint François d'Assise. Il viaggio a Reims wurde wieder aufgenommen, Così fan tutte neu einstudiert, Lucio Silla semiszenisch gegeben, Passion, Werther und Der Prinz von Homburg konzertant. Letztere erklang zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze und war eine der wenigen Gelegenheiten, 2026 überhaupt ein Musiktheaterwerk von Henze zu erleben. Carmen mit Asmik Grigorian in der Titelrolle zog auch vor dem Theater ein großes Publikum an: Am 8. August verfolgten mehr als 4.000 Menschen die Übertragung auf dem Kapitelplatz.

Salzburger Festspiele 2026: das Ensemble von Ariadne auf Naxos in der Inszenierung von Ersan Mondtag
Ariadne auf Naxos 2026, Regie, Bühne und Kostüm Ersan Mondtag: das Ensemble. Foto: Salzburger Festspiele / Thomas Aurin

Handke, Jelinek und ein Faust mehr

Das Schauspiel brachte zwei Uraufführungen, Peter Handkes Schnee von gestern, Schnee von morgen und Elfriede Jelineks Unter Tieren, dazu die Neuinszenierungen Faust I und Der Menschenfeind, die Gastspiele De Profundis und Europa und die Wiederaufnahme des Jedermann. Die Nachfrage nach Faust I war so groß, dass kurzfristig eine Zusatzvorstellung angesetzt wurde. Der Jedermann wurde 15 Mal gespielt: achtmal auf dem Domplatz, fünfmal im Großen Festspielhaus, und zweimal zog die Vorstellung vom Platz ins Haus um.

Salzburger Festspiele 2026: Johannes Nussbaum, Steven Scharf und Valery Tscheplanowa in Faust I in der Regie von Ulrich Rasche
Faust I 2026, Regie und Bühne Ulrich Rasche: Johannes Nussbaum (Junger Faust), Steven Scharf (Faust) und Valery Tscheplanowa (Mephistopheles). Foto: Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Konzerte, Ehrungen und eine letzte Skulptur

Im Konzert gab es 84 Aufführungen. Die Ouverture spirituelle stand unter dem Titel Miserere, neun Konzerte bildeten eine Hommage à György Kurtág, vier waren Messiaen gewidmet, und mit Francesca Verunelli begann eine neue Reihe von Porträtkonzerten zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten. Zwei Künstlerinnen erhielten die Festspielnadel mit Rubinen: Cecilia Bartoli nach ihrer Geburtstags-Galavorstellung von Il viaggio a Reims und Martha Argerich nach ihrem Konzert mit Renaud Capuçon am 21. August. Im Unteren Pausenfoyer des Großen Festspielhauses stand Stravinsky (2026), die letzte Skulptur von Georg Baselitz, eine mehr als drei Meter lange Bronze und die einzige Skulptur des Künstlers mit vollständig weißer Patina.

Jenseits der großen Bühnen

Die Siemens Festspiel Nächte feierten ihr 25-jähriges Bestehen: 47 historische und aktuelle Produktionen liefen bei freiem Eintritt auf dem Kapitelplatz, mehr als 45.000 Menschen sahen zu. Über 7.600 Karten gingen an Jugendliche unter 27 Jahren, die Operncamps feierten ihr 20-jähriges Jubiläum, und für das Young Singers Project wurden aus 1.007 Bewerbungen 14 Sängerinnen und Sänger aus 14 Nationen ausgewählt. Erstmals richtete das Festspielarchiv ein eigenes Festival aus, Staging Realities: The Living Archive, mit vier Installationen im UMAK-Gebäude vom 18. bis 29. August. Die praktische Seite eines Besuchs, von der Buchung bis zum Stehplatz, finden Sie auf unserer Seite über die Salzburger Festspiele.