Die Opernhäuser haben den Dresscode vor Jahrzehnten aufgegeben
Die Vorstellung, dass man für die Oper Abendgarderobe braucht, ist ein zäher Mythos, der die Häuser Geld kostet und Publikum fernhält. In Covent Garden, an der Met und in fast jedem Haus Europas sitzen Smoking und Jeans in derselben Reihe, und niemand verliert ein Wort darüber.
Die zwei echten Ausnahmen
Premieren und Saisoneröffnungen sind echte gesellschaftliche Anlässe, bei denen sich das Publikum schick macht und das auch genießt. Die Eröffnung der Scala am 7. Dezember ist ein nationales Fernsehereignis mit Demonstranten draußen und Abendkleidung drinnen. Die andere Ausnahme ist der private Ball, beim Karneval in Venedig und anderswo, wo das Kostüm Einlassbedingung ist und es genau dafür Verleihgeschäfte gibt.
Die Regel, die rückwärts läuft
In den ernsthaften Technoclubs arbeitet teure Markenkleidung gegen dich. Das Berghain ist der berühmte Fall: Schwarz, schlicht und unaufgeregt kommt weiter als alles, was darauf angelegt ist, aufzufallen, und in einer großen, lauten Gruppe anzukommen ist der zuverlässigste Weg, abgewiesen zu werden.
Worauf es wirklich ankommt
Schuhe, für alle Orte, an denen du auf Stein stehst oder gehst. Eine zusätzliche Schicht für Bühnen unter freiem Himmel, denn in der Hollywood Bowl und in der Waldbühne wird es nach Sonnenuntergang zehn Grad kälter, und jedes Sommerpublikum unterschätzt das. Und etwas mit einer Tasche, denn Garderoben haben an beiden Enden des Abends Schlangen.
Städte unterscheiden sich
Mailand zieht sich besser an als jede andere Stadt in diesem Guide und genießt es, angeschaut zu werden. Berlin macht mit derselben Überzeugung das Gegenteil. Wien hat in derselben Vorstellung ein förmliches Publikum auf den Sitzplätzen und ein völlig legeres am Stehplatzgeländer, und keines stört sich am anderen.


