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Longevity · Wo Menschen hundert werden

Blue Zones: Was fünf Regionen der Welt uns lehren

8 Minuten Lesezeit·

Okinawa, Sardinien, Ikaria, Nicoya, Loma Linda: fünf Orte mit auffällig vielen Hundertjährigen. Was sie gemeinsam haben, was davon Mythos ist und welche neun Gewohnheiten sich überall umsetzen lassen.

Kurz gesagt

  • Fünf Regionen mit vielen Hundertjährigen teilen neun Gewohnheiten, von Alltagsbewegung bis zu engen Gemeinschaften.
  • Keine der Regionen hat ein Fitnessstudio, eine Diät oder Supplements; alle haben Bohnen, Hügel und Nachbarn.
  • Ein Teil der Daten ist umstritten, weil Geburtsregister lückenhaft sind; die Gewohnheiten sind trotzdem gut belegt.
  • Übertragbar sind Ernährung mit Hülsenfrüchten, Bewegung im Alltag, Sinn, Ruhe und soziale Netze.

Die fünf Regionen

Okinawa in Japan, die Berge Sardiniens, die Insel Ikaria in Griechenland, die Halbinsel Nicoya in Costa Rica und die Stadt Loma Linda in Kalifornien, wo Siebenten-Tags-Adventisten leben: In diesen fünf Regionen werden auffällig viele Menschen über neunzig und hundert, bei guter Gesundheit. Der Begriff Blue Zones stammt von Demografen, die die Regionen auf einer Karte blau markierten, und wurde durch den Journalisten Dan Buettner bekannt.

Neun gemeinsame Gewohnheiten

Erstens Bewegung, die nicht als Sport gilt: Gärten, Hügel, Wege zu Fuß, Hausarbeit ohne Maschinen. Zweitens ein Grund, morgens aufzustehen, Ikigai in Okinawa, Plan de vida in Nicoya. Drittens Rituale gegen Stress: Mittagsschlaf auf Ikaria, Gebet in Loma Linda, Happy Hour auf Sardinien. Viertens die 80-Prozent-Regel: aufhören, bevor man satt ist, und die kleinste Mahlzeit am Abend. Fünftens Pflanzen im Zentrum, Bohnen als Basis, Fleisch fünfmal im Monat. Sechstens Wein in kleinen Mengen zum Essen, außer in Loma Linda, wo niemand trinkt. Siebtens Zugehörigkeit zu einer Glaubens- oder Wertegemeinschaft. Achtens Familie zuerst: Großeltern in der Nähe, Partner fürs Leben, Kinder in der Pflicht. Neuntens der richtige Kreis: Freunde, deren Gewohnheiten gesund sind, weil Verhalten ansteckend ist.

Was davon Mythos ist

Kritiker weisen darauf hin, dass in einigen Regionen Geburtsregister lückenhaft sind und Altersangaben übertrieben sein könnten; für Okinawa und Sardinien gibt es diese Diskussion. Das ändert nichts an den Gewohnheiten, denn die sind unabhängig von der Altersstatistik untersucht: Die Adventisten in Loma Linda leben laut prospektiven Studien sieben bis zehn Jahre länger als andere Kalifornier, und die Zutaten sind dieselben wie überall in den Blue Zones.

Was sich übertragen lässt

Bohnen, Linsen und Kichererbsen dreimal die Woche. Ein Abendessen, das kleiner ist als das Mittagessen. Wege zu Fuß, Treppen statt Aufzug, ein Garten oder ein Balkon mit Arbeit. Eine feste Gruppe von Menschen, mit denen man sich wöchentlich trifft. Eine Pause am Tag, in der nichts passiert. Und die ehrliche Frage, wofür man morgens aufsteht.

Was sich nicht übertragen lässt

Das Klima, die Landschaft, die Isolation und die Genetik. Und die Armut, die in vielen Blue Zones für die Bewegung gesorgt hat. Wer in Frankfurt lebt, muss die Hügel und die Bohnen bewusst einbauen, die Ikarier haben sie einfach.

Häufige Fragen

Gibt es Blue Zones in Deutschland?

Nein, aber Regionen mit hoher Lebenserwartung: der Landkreis Starnberg, Breisgau, Teile Baden-Württembergs. Die Muster ähneln sich: Wohlstand, Bewegung draußen, soziale Netze, Vorsorge.

Sind alle Blue Zones vegetarisch?

Nein. Sardinien und Ikaria essen Fleisch, aber selten; Okinawa isst Schwein zu Festen. Loma Linda ist überwiegend vegetarisch. Gemeinsam ist der niedrige Anteil, nicht der Verzicht.

Ist Wein Teil des Rezepts?

In vier von fünf Zonen trinken die Menschen kleine Mengen zum Essen und in Gesellschaft. Die fünfte, Loma Linda, trinkt gar nicht und lebt genauso lang. Alkohol ist also kein Bestandteil, den man braucht.

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden, bestehenden Erkrankungen oder vor Änderungen an Medikamenten sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.